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LABA-Fashion – Oberlausitzer Geschichten zum Anziehen

Gerhard Zschau verkauft Geschichten zum Anziehen. Während andere Fashion-Label schnöde T-Shirts, Jogginghosen oder Mützen vertreiben, finden sich auf der Kleidung des Görlitzer Labels LABA Sagengestalten wie Krabat, Pumphut oder die Mittagsfrau. Was auf den ersten Blick eher schlecht zusammenpasst – Sagen und Mode – ist seit 2016 eine Erfolgsgeschichte, denn LABA verknüpft die althergebrachten Geschichten durch modernes Design und Storytelling mit der Gegenwart. So kommt die Mittagsfrau nicht etwa als dürre Alte daher, die bei sengender Mittagshitze diejenigen zu Tode fragt, die statt einer Pause zu machen noch auf dem Feld arbeiten, sondern als Mädchen, das man als Arbeitsschutzbeauftragte bezeichnen könnte – wäre da nicht die blutbespritzte Sichel in der Hand. Der sorbische Wassermann hat weder grüne Haut noch trägt er triefende Sachen, sein Gesicht auf den LABA-Shirts ist vielmehr mit den blauen Wellen der Lausitzer Teichlandschaft verwoben. Gerhard Zschau hält aber auch die Oberlausitzer Sagen nicht für antiquiert: „Darin geht es ja meistens darum, wie man mit Menschen, besonders Arbeitern, umgeht, wie man sie behandelt und ob man sie gerecht bezahlt. Themen, die immer noch aktuell sind und die schon den Pumphut umgetrieben haben. Der war ja so was wie der Krabat der Oberlausitz und wurde erst gemein, wenn man ihm seinen rechtmäßigen Lohn vorenthielt.“

Die Mittagsfrau. Nicht so harmlos, wie sie aussieht. Und der Wassermann lauert nicht nur in Teichen.
(Foto: LABA Fashion)

Der reitende Pumphut und die neue Kollektion

Der Müllerbursche Pumphut ist eines der Motive aus der neuen LABA-Kollektion. Im Gegensatz zu den modernen Interpretationen der Sagengestalten verwendet Gerhard dafür ein Motiv von Paul Sinkwitz. Die Idee kam ihm bei einer Ausstellung über den Ebersbacher Künstler im Landratsamt Görlitz. „Als Sohn eines Leinwebers wuchs er mit dem Klappern der Webstühle auf. Das muss verdammt laut gewesen sein, aber vielleicht sind seine Holzschnitte deshalb so eindrücklich. Erst wollte ich einen nehmen, wo man einen Weber hinter seinem Webstuhl sieht, aber das war mir dann doch zu depressiv. Die Arbeit damals muss hart gewesen sein.“

Am Ende wurde es ein Holzschnitt, auf dem der Pumphut auf einer Heuschrecke durch die Luft reitet. „Das Bild ist nicht so eindeutig, jeder kann neben der ursprünglichen Geschichte seine eigene hineininterpretieren. Ein Typ mit einem absurd großen Hut und einer Rute in der Hand fliegt auf einer Heuschrecke über´s Dorf. Mehr LSD-Trip geht kaum.“ Die Rechte für die älteren Motive, wie von Paul Sinkwitz oder Rudolf Warnecke, gaben ihm die Erben gern. „Sie finden es schön, dass die Werke nicht vergessen werden, sondern dass da jemand kommt, der sich dafür interessiert. Sie empfinden es als große Wertschätzung.“

Geschichtsunterricht mit LABA

Die neuen Motive stammen von jungen Künstlern, die Gerhard unter anderem auf Instagram findet. René Seidel aus Löbau hat zum Beispiel den Karpfen blau entworfen, die Mittagsfrau stammt von einer Künstlerin aus Berlin. Der Wassermann entstand nach einem Entwurf von Gerhards Freundin. Andere Designs ergaben sich nebenbei beim Kritzeln am Küchentisch. „Die Ideen springen einen hier, in der zweisprachigen Lausitz, förmlich an. Die Geschichten, die ich dann bei meinen Recherchen finde, sind so interessant, dass ich mich beherrschen muss, nicht mit Quellenangaben zu arbeiten und so viel zu den Produkten zu erzählen, dass die Leute vor lauter Text den Kaufen-Button nicht mehr finden. LABA ist also nicht nur ein Modelabel, sondern auch eine Bildungsveranstaltung.“

Die Ideen, die Gerhard anspringen, beziehen sich nicht nur auf das Design, sondern auch auf das Material von LABA Fashion. Ganz im Sinne vom Pumphut achtet Gerhard darauf, das sämtliche Materialien fair produziert werden. Wenn möglich, verwendet er einheimische Gewebe. Die Turnbeutel wie Walk The Lein oder Nightleiner wurden allesamt in einer Neukircher Leinenmanufaktur hergestellt. Die Brusttaschen für die Brutani-Shirts, liebevoll auch  Brusttaschennicki genannt, sind aus fünfzig bis sechzig Jahre altem Mangeltuch, das er auf Flohmärkten in der Region fand. Die charakteristischen verschiedenfarbigen Streifen dienten übrigens als Begrenzungslinien für die zu glättenden Stoffe.

Brusttaschennicki mit Mangeltuch und Kiep it real – der Rucksack aus der Oberlausitz.
(Foto: LABA Fashion)

Kiep It Real – der Rucksack aus der Oberlausitz

Nur T-Shirts, Jogginghosen oder Pullis zu produzieren wäre Gerhard allerdings zu langweilig. Deshalb gibt es immer wieder andere Produkte, wie zum Beispiel die Kaffeefiltertüte. Irgendwann kam ihm dann die Idee für einen Rucksack, der traditionell in der Oberlausitz produziert wird. „Ich weiß gar nicht mehr genau, wie ich die Idee entstanden ist, aber plötzlich tauchte die Zeichnung in meinem Notizbuch auf und hat mich nicht mehr losgelassen.“ Die Form des Rucksacks erinnert an eine Kiepe, mit der früher Reisig, Stroh oder Holz transportiert wurden. Der Rucksack wird von einem Korbmacher aus Weiden geflochten, die auf seinem Grundstück in Milkel wachsen. Die Riemen stellt ein Sattler aus dem Nachbardorf Camina her, ausgekleidet wird der Tragekorb mit Atlasgewebe, einem Halbleinen, das mit einer speziellen Webtechnik hergestellt wird. Im März letzten Jahres war der Rucksack so gut wie fertig, dann kam Corona. Seitdem stehen die Kiepen im Lager und warten auf ihre Fertigstellung.

Kaffee meets Fashion. (Foto: LABA Fashion)

LABA im Lockddown

Die Pandemie warf auch andere Pläne von Gerhard über den Haufen. Auch der Fashiontruck, mit dem Gerhard durch die Oberlausitz fahren wollte, um seine Produkte vorzustellen und bei einem Kaffee mit den Leuten ins Gespräch zu kommen, wurde durch Corona ausgebremst. Trotzdem will sich Gerhard nicht beklagen. „LABA ist viel Arbeit, aber auch viel Spaß. Spaß an der eigenen Geschichte, an Kreativität und an Handwerkskunst.“ Das scheint auch bei den LABA-Fashion-Kunden so anzukommen, wie man in den Kommentaren im Shop und auf Facebook lesen kann. Die stammen nicht nur aus der Oberlausitz, sondern aus ganz Deutschland und sogar der Schweiz. Wer bei LABA kauft, kauft übrigens nicht nur regionale Geschichten zum Anziehen, sondern tut etwas für die Oberlausitz. Durch den Verkauf unterstützt LABA Vereine wie Mission Lifeline, die Oberlausitzer Tafel, die Ganzmacher aus Bautzen oder die Bahnhofsmission Görlitz.

Die neue LABA Kollektion gibt es hier: https://shop.laba.de/produkt-schlagwort/kollektion-2021/

Geschichten rund um LABA und die Oberlausitz postet Gerhard auf https://laba.de/blog/.

Der Artikel erschien zuerst am 25. Januar 2021 im Magazin 3mag.

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