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Märchenbücher, Fibel, Frösi und Magazin – eine mobile Ausstellung über Werner Klempke

Als DDR-Kind bin ich mit Werner Klemke groß geworden. Die ersten Illustrationen sah ich in dem von ihm gestalteten Märchenbuch „Die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm“. Mit einer von ihm illustrierten Fibel lernte ich lesen. Weitere Bilder fand ich dann in vielen meiner Lieblingsbücher, wie zum Beispiel „Bootsmann auf der Scholle“, „Lütt Matten und die weiße Muschel“ oder „Das Pferdemädchen“. Seine Illustrationen gehörten zur „Frösi“ ebenso wie zum „Magazin“, das ich später gelesen habe. 

Ausstellung zu Werner Klemke im KulturWagen der Brotfabrik am Kollwitzplatz

Ausstellung zu Werner Klemke im KulturWagen der Brotfabrik am Kollwitzplatz

Zufällig entdeckte ich gestern am Kollwitzplatz den KulturWagen der Brotfabrik, in dem eine Ausstellung über Werner Klemke gezeigt wird. Klar, dass ich da hineinschauen musste. Der Vorteil des Wagens ist, dass man ihn quasi überall hinfahren und die Ausstellung an jedem beliebigen Ort zeigen kann. Der Nachteil ist die relativ kleine Fläche: In dem Wagen finden nur elf Ausstellungstafeln Platz. Auf ihnen werden neben der Biografie Lemkes und seinem Verhältnis zur DDR vor allem die von ihm angewandten künstlerischen Techniken, wie zum Beispiel Federzeichnungen, Holzschnitte oder Collagen, vorgestellt. Die kurzen aber aussagekräftigen Texte sind mit sehr schönen Beispielen bebildert.

Eine ausführliche Vorstellung von Lemkes Werken aus über 50 Jahren künstlerischer Arbeit ist so natürlich nicht möglich, dafür aber ein Überblick über die Vielseitigkeit des Künstlers. Mir hat es auf jeden Fall Lust auf mehr gemacht und ich habe mich anschließend gleich online durch seine schönsten Magazin-Cover geklickt. Eine Ausstellung mit denen würde ich mir auch gern mal ansehen.

Was ich übrigens vorher nicht wusste und erst im Kulturwagen erfahren habe: Werner Lemke war als Wehrmachtssoldat während des Zweiten Weltkriegs in Holland stationiert. Seine Tätigkeit in einer Schreibstube nutzte er, um für holländische Juden Ausweispapiere zu fälschen und Lebensmittelkarten herzustellen. Auf diese Weise rettete er mehr als 300 Menschen das Leben. Der Dokumentarfilm „Treffpunkt Erasmus“, in dem die niederländische Filmemacherin Annet Betsalel diese Geschichte erzählt, wird übrigens ab dem 28. August im Kino in der Brotfabrik gezeigt.

Wer gern selbst einen Blick in den KulturWagen werfen möchte: Er steht noch bis zum 31. August am Kollwitzplatz.

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