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Auf den Spuren des Kalten Krieges

Wo sind sie hin, die Menschen, die fast 50 Jahre hier gelebt haben – versteckt in Kasernen und hinter Zäunen, weitgehend abgeschottet vom Alltagsleben draußen. Fast eine halbe Million sowjetische Soldaten und Zivilisten waren in der DDR stationiert. Die Sowjetarmee verfügte 1989 über insgesamt 1026 Objekte mit etwa 36.000 Gebäuden, davon 777 geschlossene Areale (Quelle: „Die Zeit“). Über das Leben der Soldaten in den „Russenkasernen“ war nur wenig bekannt, für die DDR-Bevölkerung blieben sie aufgrund der Ghettoisierung Fremde. Deshalb mag der niederländische Fotograf Martin Roemers recht haben, wenn er sagt: „Anders als bei ausgetragenen Kriegen ist vom Kalten Krieg nur die Infrastruktur übrig geblieben, aber keine Erinnerungskultur.“

Diese Infrastruktur – Kasernen, Bunker, Kommandozentralen, Turnhallen, Denkmäler und Militärfahrzeuge – hat er fotografiert. Begonnen hat er in Brandenburg, dem „Disneyland des Kalten Krieges“. Dabei blieb es aber nicht. In aufwendiger Recherche fotografierte Roemers seit 1998 mehr als zehn Jahre lang die Spuren des Kalten Krieges in zehn Ländern und 200 Orten – zum Beispiel in Ostdeutschland, Westdeutschland, Belgien, England, Polen oder Litauen. Die Ergebnisse kann man sich seit 4. März in der Ausstellung „Relikte des kalten Krieges“ im Deutschen Historischen Museum Berlin anschauen.

 

Martin Roemers ist bekannt als Langstreckenfotograf. Schon immer wollte er die die Auswirkungen von Kriegen auf die Menschheit und einzelne Menschen zeigen, erzählt er bei der Bloggerführung durch seine Ausstellung. Dabei sieht er sich selbst nicht nur als Fotograf, sondern auch als Geschichtenerzähler. Für die Ausstellung sprach er mit Armeegenerälen, Friedensinitiativen und Menschen, die Armeebunker zu ihrem Hobby gemacht haben. Die Recherche war der überwiegende Teil seiner Arbeit. Ihm kam es darauf an, verborgene Dinge zu entdecken, die zu hundert Prozent authentisch sein mussten. Das war das wichtigste Kriterium seiner Arbeit. Sobald er frische Farbe oder neue Möbel entdeckte, brach er ab.

Für ein perfektes Foto brauchte Martin Roemers oft mehrere Stunden, manchmal sogar mehrere Tage. In der Ausstellung sind 70 großformatige Fotos zu sehen. Alle wurden analog fotografiert, die Farben und das Setting sind unbearbeitet und unverändert. Trotzdem wirken die Fotos nicht wie reine Reportagefotos. Dem Bildaufbau und der Bildkomposition merkt man an, dass Roemers neben Fotografie auch Kunst studiert hat.

Relikte des Kalten Krieges perfekt in Szene gesetzt.

Die Ausstellung zeigt die Relikte des Kalten Krieges auf siebzig großformatigen Fotografien.

Auf den Fotografien kann man aber nicht nur technische Überreste wie Bunker, Kommandozentralen und alte Panzer sehen, sondern auch Wandmalereien, wie Körperübungen an der Wand einer Turnhalle, Sojus und Apollo beim Andocken im Weltall oder einen bunt gestalteten Kinosaal. Nur Menschen gibt es auf den Bildern nicht. Eine Ausnahme machen nur zwei Kinder, die ein Herz an einen Raketenunterstand malen. Dafür findet man ausführliche Hintergrundinformationen, die über die Fotos hinausgehen, auf den Begleittafeln und in einem Film, der die Fotografien geschichtlich einordnet.

Die Ausstellung „Relikte des Kalten Krieges“ – Fotografien von Martin Roemers wird vom 04.03.2016 bis 14.08.2016 im Deutschen Historischen Museum gezeigt. Informationen zu Öffnungzeiten und Eintrittspreisen gibt es hier.

Weiterführende Links:
Die Bloggerführung wurde außerdem in einem bildreichen Storify festgehalten.
Hier geht es zum ausführlichen Portrait über Martin Roemers auf Kulturradio RBB.

2 Kommentare

  1. liebe juliane,
    danke für den beitrag, auch, dass du dir die mühe gemacht hast, noch so viel zusätzliche infos zusammenzusammeln. ich hoffe, dass wir künftig noch auf vielen tweetups miteinander unterwegs sein werden. 🙂
    viele grüße, marc

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    • Danke, das hoffe ich auch 😉 Ich werde gleich auch noch deinen Beitrag verlinken, hatte ich glatt vergessen.

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